Heizen bei Brennstoffknappheit

Welche Stellschrauben können Wohnungswirtschaft und Endverbraucher nutzen?

CANZLER zeigt geeignete Stellschrauben für Wohnungsunternehmen und ihre Mieter auf. Dabei stehen möglichst einfache Wege zum Umgang mit dem Energieverbrauch − von der Wärmeerzeugung bis zum Wärmenutzer im Vordergrund.

Von Andreas Stehling, Geschäftsführer bei CANZLER GmbH und Fachbereichsleiter Tech­ni­sche Aus­rüst­ung für die Gewerke Sanitär-, Medien- und Feuerlöschtechnik, Heizungs-, Lüftungs- und Kältetechnik CANZLER GmbH


Die aktuelle Situation

In den letzten drei Jahrzehnten wurden die vorhandenen Heizungsinstallationen überwiegend auf eine bisher kostengünstige Gasheizung umgestellt. Doch nun ist der beliebte Brennstoff Gas deutlich knapper geworden und niemand kann zuverlässig voraussehen, wie es mit dem Brennstoff Gas auf den Weltmärkten weitergehen wird. Angesichts der Energiekrise, drohender Lieferengpässe und steigender Preise raten Politik und unterschiedliche Fachkreise, den Betrieb zu reduzieren. Das stellt die Unter­nehmen aus der Wohnungswirtschaft vor die große Herausforderung, wie sie Energie einsparen können.

Vor diesem Hintergrund schaut CANZLER auf die Heizung und die daran hängende Warmwasserbereitung und zeigt geeignete Stellschrauben für Wohnungsunternehmen und ihre Mieter auf. Möglichst einfache Wege zum Umgang mit dem Energieverbrauch − von der Wärmeerzeugung bis zum Wärmenutzer, den Menschen, stehen dabei im Vordergrund.
 

Einstellungen optimieren

Vor der beginnenden Heizperiode, meist von Oktober bis April, empfiehlt es sich, die Anlagen zu prüfen und im Bedarfsfall neu zu justieren.

  • Wärmeerzeuger im Sinne des Wohnungsbaus bilden die Fernwärme, der zentrale Kessel oder die Gas-Etagen-Heizung. Nach heutigem Stand verfügen solche Erzeuger über einen Außenfühler, einen Vorlauffühler und eine Zeitschaltung. In Abhängigkeit zur Außentemperatur wird die Vorlauftemperatur mit einer sogenannten Heizkurve eingestellt. Wiederum in Relation zur Zeitvorgabe wird diese Heizkurve abgefahren. Die hinterlegte Kurve bedeutet, je kälter es draußen ist, umso wärmer ist der Vorlauf.

    Um die Einstellung der Heizkurve zu überprüfen, sollten zuständige Hausmeister oder FM-Dienst­leister einen einfachen Test durchführen. Dazu in einem kalten Zimmer bei kaltem Heizkörper die Heizung aufdrehen, also das Thermostatventil. Wenn dabei ein heißer Wasserfluss zu spüren ist, den man vor Hitze nicht anfassen möchte, und später, z. B. nach einer halben Stunde, zu fühlen ist, dass nur die oberen zehn oder 20 cm des Heizkörpers warm sind, der Raum aber ausreichend geheizt ist, dann ist davon auszugehen, dass die Heizkurve deutlich zu hoch eingestellt ist.

  • Zur Zeitschaltuhr gilt: Die Zeiten sollen gemäß dem Bedarf eingestellt sein. Heizkörper reagieren schnell, also die Uhr so einstellen, dass die Heizung eine halbe Stunde vor Nutzung in Betrieb geht. Da die Fußbodenheizung eher träge reagiert, hier die Uhr eine Stunde vor Nutzung auf Betrieb einstellen. Diese Regel trifft analog auf den umgekehrten Fall zu, um die Restwärme zu nutzen! Zusätzlich bleibt zu überlegen, ob es sinnvoll ist, die Heizung per Zeitschaltuhr für zwei bis drei Stunden, z. B. über Mittag, auszuschalten.

    Üblich schaltet die Uhr einen sogenannten Tag- und Nachtbetrieb. Die Nacht wird dann abgesenkt gefahren, z. B. sind oft 3 °C weniger als am Tag als Standard der Raumtemperatur voreingestellt. Moderne, gut gedämmte Häuser kommen ohne nachts Heizbetrieb aus. Wie das Abschalten im Einzelfall funktioniert, wäre aus der Anleitung zu entnehmen.
     

Innere Lasten nutzen

Verkehrsflächen wie z. B. Flure und Treppenräume brauchen keine eigene Beheizung, selbst wenn in diesen Flächen Wartezonen für Menschen eingerichtet sind.

  • Gewöhnlich besitzt das Gebäude so viel innere Lasten, dass sich ausreichende Temperaturen einstellen werden. Frosttemperaturen werden sich nicht einstellen. Idealerweise sperrt der Bertreiber die Rücklaufverschraubung der Heizflächen, denn ein heruntergedrehtes Thermostatventil verfehlt seine Wirkung, da es von jedem verstellt werden kann.

 

Auf Verbrauch achten

Das Nutzungsverhalten der Endnutzer hat große Auswirkungen auf den Energieverbrauch. Deshalb sind sie besonders gefragt, die Verbräuche beim Heizen und Warmwasser zu senken.

  • Wer im Zimmer bei Einstellung des Thermostatventils auf z. B. 2,8 den Raum auf 22 °C heizt, der versuche das Ventil auf z. B. 2,4 zu stellen, um den Raum um 2 °C geringer zu heizen. Thermostatventile reagieren empfindlich auf kleine Nachjustierungen. Ein Verstellen aber von z. B. 4,0 auf 1,5 (also von Offen nach Frostschutz) geht am gewünschten Ziel vorbei und sorgt nicht für eine gleichmäßige Beheizung.
  • Wer einen Raum länger nicht nutzt, der sperre das Ventil nicht auf Frostschutz, sondern z. B. auf 1,5 oder 2,0. Es soll sich eine Raumtemperatur von 16–18 °C einstellen. Unter 16 °C ist die Auskühlung zu groß, dann kühlen auch die Wände so sehr aus, dass sie die Kälte wieder abstrahlen. Mit 18 °C im Raum kann bei sporadischer Nutzung von einem eher schnellen Nachheizen ausgegangen werden.
  • Bei der Warmwasserbereitung gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Das Wasser im Speicher ist auf 58 oder 60 °C zu fahren, ansonsten droht Verkeimungsgefahr. Außerdem schreiben die allgemein anerkannten Regeln der Technik, insbesondere VDI 6023, vor, die Temperaturen hoch zu halten. Aus hygienischen Gründen sollte das Abschalten der Zirkulationspumpe nicht in Betracht gezogen werden. Sollten die Nutzer durch Selbsttest auch ohne ständige Zirkulation auskommen, wäre diese konsequent aus dem System herauszutrennen. Denn es darf am Ende kein stehendes Wasser im System verbleiben. Die Energie für die Trinkwassererwärmung lässt sich nur über einen geringeren Verbrauch durch die Nutzer und über wassersparende Armaturen senken.

 

Exkurs zum Thema Lüften und Corona

Regelmäßig lüften lautete die Devise in den letzten beiden Jahren wegen der Corona-Pandemie. In der Praxis zeigte sich oft, dass in Gängen von Verwaltungsgebäuden bei ständig auf Kipp gestellten Fenstern die Heizkörper gegen den Kälteeinfall und Durchzug gekämpft haben. Das dürfen wir uns mit Blick auf die steigenden Preise und den drohenden Gasengpass nicht mehr erlauben.

 

Fazit

Die Kernaussage beinhaltet ein vorsichtiges Probieren und „Spielen“ mit dem Thermostatventil und den Einstellmöglichkeiten. In Wohnbereichen verfehlt das radikale Auf- und Zudrehen bzw. Ein- und Ausschalten das Ziel, Energie einzusparen. Bei Verkehrsflächen lohnt es sich aus­zu­pro­bie­ren, ob die Restwärme des Gebäudes ausreicht. Darüber hinaus lässt sich die Energieeffizienz der Heizung mit einem hydraulischen Abgleich steigern, was aber nach dem Können eines Fachmanns verlangt. Kostenintensive Umbauten kommen dagegen nach derzeitiger Marktlage eher langfristig in Betracht; oft sind dann auch größere Arbeiten an der Anlage fällig.