BIM – Die digitale Revolution im Bauwesen

Building Information Modeling – Canzler setzt auf modell­basierte digitale Planung

Von Birgit Kaiser, Dipl.-Ing. FH, Canzler GmbH


Modellbasiert, digital und interdisziplinär – dies sind nur einige Schlagworte, die die Arbeitsweise von Building Information Modeling (BIM) beschreiben. BIM ist das Zukunftsthema der Branche und wird immer bestimmender im Arbeitsalltag aller Baubeteiligten. Dank BIM wird das Gebäude schon von Beginn der Planung an in einem parametrisierten Modell abgebildet, das sämtliche Fachdisziplinen integriert. Die 3D-Planung wird im weiteren Planungsprozess mit zusätzlichen Daten zu Bauteileigenschaften, Kosten und Terminen verknüpft – Es entsteht ein virtuelles Gebäudemodell, das den geplanten IST-Zustand des Hauses darstellt und so die Realität in Simulationen abbildet.

Bei Canzler steht BIM bei der Planung von Hochbauten, der Technischen Gebäude­aus­rüstung und im Facility Management schon lange im Fokus. Die Nutzung von 3D-Modellen in der Planung, als eines der Grundbausteine im BIM, ist seit Jahren Teil unserer Arbeit. Neben der Investition in die Schulung der Mitarbeiter und der entsprechenden soft- und hardwaretechnischen Umrüstung mussten bei der Implementierung von BIM auch die Arbeitsprozesse der Planungsstruktur angepasst werden. Canzler arbeitet seitdem auch in übergeordneten Gremien an der Integration von BIM als Planungstool.

Terminal 3 Flughafen Frankfurt - Canzler setzt auf BIM als Planungswerkzeug

Mit dem Neubau vom Terminal 3 der Fraport AG bearbeitet Canzler derzeit eines der größten Projekt in BIM. In diesem Projekt übernimmt Canzler für das neue Terminal Hauptgebäude die Planung für die Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik sowie für den Gesamtneubau die Planung der Gebäude­automation. Neben den Planungsaufgaben ist Canzler außerdem für die koordinierte und kollisionsfreie 3D-Planung zwischen Hochbau und trassengebundenen Gewerken (Sanitär, Heizung/Kälte/RLT/Elektrotechnik) im Hauptgebäude zuständig.

Die Wahl der Arbeitsmethode BIM bietet Vorteile insbesondere durch den schnellen Austausch von Plänen und Kommentaren sowie die automatische Kollisionserkennung. Es können große Datenpakete wie z.B. Luftmengen, Anlagen-IDs etc. in die Zeichnungen per Listen übernommen werden. Die zentrale Datenbank stellt sicher, dass Mehrfacheingaben vermieden werden, eine vereinfachte Datenfortschreibung erfolgt und neue bzw. gelöschte Objekte schneller aufgefunden werden können.

Ebenso kann die Datenauswertung im gewählten Planungsumfeld schneller erfolgen und automatische Massenauszüge generiert werden. Innerhalb des Projektes kann eine kontinuierliche Datenerfassung und -auswertung erfolgen, welche für die Prognose der späteren Bau- und Lebenszykluskosten genutzt werden kann. Dies ermöglicht eine Kostensicherheit für den späteren Betrieb.

BIM ist als Arbeitsmethode aus der Baubranche nicht mehr wegzudenken. Der effektive Einsatz setzt jedoch eine Fortschreibung von Austauschprozessen zwischen allen Planungsbeteiligten und auch eine weitere Standardisierung der Schnittstellen und Kommunikationsprozesse voraus. Denn das Projekt zeigt auch derzeitige Probleme in der Umsetzung mit BIM auf. Diese liegen in der starken Abhängigkeit von Softwareschnittstellen, welche noch Entwicklungs- und Standardisierungspotential besitzen. Ebenso ist beim Einsatz von Berechnungsprogrammen zu beachten, dass die Programme meist nicht im Live-Modell arbeiten. Dies führt zur Pflege von mehreren Modellen und das Zurückspielen von Ergebnissen ins Live-Modell ist nach Fortschreibung unter Umständen nicht mehr möglich.

Daher ist Canzler Mitglied im DIN Arbeitskreis NA 005-01-39-03 AK „Informationsmanagement mit BIM“, um die Weitergestaltung der Kommunikationsprozesse aktiv mitzugestalten. Bereits als Entwurfsversion sind die DIN EN ISO 19650-1 sowie -2 erhältlich, welche sich mit dem Management von Informationen, einschließlich Austausch, Aufzeichnung, Versionskennung und Organisation beschäftigt.

Canzler ist auch aktives Mitglied im Arbeitskreis BIM des Real FM e.V. Der Arbeitskreis beschäftigt sich mit dem Thema BIM aus Betreiber- und Nutzersicht und bietet eine praxisnahe Unterstützung in Form der Bereitstellung von wichtigem Basiswissen sowie Handlungsempfehlungen für planungs- und baubegleitendes FM der Zukunft. Der Leitfaden "BIM-Methodik aus Betreiber- und Nutzersicht 2018" ist im Dezember 2018 erschienen und kann hier bestellt werden.